Die PKV wird 2013 teurer, wirbt aber mit besseren Leistungen

 

Eine deutliche Verteuerung der Beiträge zur privaten Krankenversicherung kam durch die Einführung der Unisex-Tarife zustande. Im Gegenzug wurde der Leistungskatalog der PKVs erweitert, was u. U. für die Billigtarife das Ende bedeuten könnte.  

PKV bringt bessere Leistungen

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Die geschlechtsspezifischen Tarife, die in der PKV bis Ende Dezember 2012 vorhanden waren, mussten aufgrund eines Urteils des Europäischen Gerichtshofes abgeschafft und neue, geschlechtsneutrale Tarife aufgenommen werden. Für die Frauen hätte das bedeutet, dass sie für ihre Krankenversicherung weniger bezahlen müssten, doch das ist nur in Einzelfällen der Fall. Ganz geschlechtsneutral müssen auch Frauen bei einem Neuabschluss für die private Krankenversicherung mehr bezahlen.

Für die Beitragsberechnung werden jetzt nur noch der Gesundheitszustand, das Eintrittsalter und der gewünschte Tarif zugrunde gelegt. Obwohl noch nicht alle neuen Tarife aller Gesellschaften vorliegen, ist jetzt schon sicher, dass die Beiträge – ganz geschlechtsneutral – sich nach oben bewegen und zwar – geschlechtsspezifisch – für Männer kann das bis zu 35 % sein, für Frauen etwa 15 %. In verschwindend geringen und auch nur in Einzelfällen könnte eine Senkung des Beitrags bis zu 6 % möglich sein.

Fakt ist, dass beide Geschlechter für eine private Krankenversicherung tiefer in die Tasche greifen müssen. Allerdings erhalten sich dafür auch mehr Leistungen, die sich an den Anforderungen der Kunden orientieren. Dabei sind Verbesserungen bei den Hilfsmittel, der Palliativmedizin und bei ambulanten Psychotherapien vorgesehen.

Neben den Erhöhungen aufgrund der Unisex-Tarife müssen höhere Kosten im medizinischen Bereich aufgefangen werden. Auch die Verzinsung auf dem Kapitalmarkt, die auf einem sehr niedrigen Niveau liegt, macht den PKVs das Leben nicht leichter. Ob es sich jetzt noch für die Kunden der PKV lohnt, in der gesetzlichen Krankenversicherung eine Alternative zu sehen, das muss abgewartet werden.

Abschlusskosten bei den PKVs differieren


Nach offiziellen Angaben würden sich die Abschlusskosten im Geschäftsjahr 2011 im Rahmen von 7,9 % bewegen – in Bezug auf die verdienten Bruttobeträge. Doch weit gefehlt, knapp die Hälfte übertraf die 10%-Marke.

Die PKV Abschlüsse

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Damit schlugen bei gut der Hälfte der privaten Krankenversicherern im Jahre 2011 die Provisionen und Maklercourtagen mit mehr als 10 % zu Buche. Bei etwa 40 % der Anbietern lag der Aufwand zwischen 5 % und 10 %. Der Rest gäbe für die Gewinnung von Neukunden weniger als 5 % aus.

Genaue Angaben zu den Abschlusskosten der einzelnen Versicherungen liegen der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungs-Aufsicht vor, doch eine Veröffentlichung gäbe es nicht aufgrund der Verschwiegenheitspflicht, so die Antwort des Bundesministeriums der Finanzen auf die Anfrage der Linksfraktion (siehe hierzu die Bundestagsdrucksache 17/11501).

34 privaten Krankenversicherungen wurden unter die Lupe genommen und lediglich die Landeskrankenhilfe V.V.a.G. hatte mit 1,9 % den günstigsten Abschlusskostensatz, während die Huk-Coburg mit 3,5 % und die Debeka mit 4,2 % dahinter lagen. Danach geht es ab 5,6 % aufwärts. Mit 26,6 % ist die Ergo Direkt Krankenversicherung AG die PKV, die die höchsten Abschlusskosten verbuchen muss, direkt dahinter die HanseMerkur mit 20,2 %.

Im Geschäftsjahr 2011 konnten 27 % der Gesellschaften Überschüsse verbuchen, das sind 13 Unternehmen in Bezug auf die derzeit der 48 Unternehmen am Markt. Dabei drückt auch die Nettoverzinsung des Zinsumfeldes auf die privaten Krankenversicherungen, bei denen mehrheitlich noch ein Jahr zuvor eine Nettoverzinsung erreicht werden konnte, die mehr als 4 % betrug; im Jahre 2011 waren es nur noch acht Gesellschaften, die eine solche Verzinsung erreicht haben.

Keine Kostenübernahme durch die PKV für prädiktive Gendiagnostik

Immer wieder in der Diskussion sind die genetischen Untersuchungen sowie die Folgen. Das Landgericht Stuttgart war mit dieser Frage konfrontiert, insbesondere um die Übernahme der Kosten – nicht um die Grundsätze ethischer Natur. Auf Kostenübernahme hatte eine Frau geklagt, die sich aufgrund mehrerer Krebskrankheitsfälle in der Familie um ihre Gesundheit sorgte. Für eine Erkrankung lagen keine Anzeichen vor, doch die Klägerin wollte über eine potenzielle Gefahr ihrer Gesundheit Sicherheit erlangen und ließ eine prädiktive Gendiagnostik von ihrem Arzt durchführen.

Krankenkasse zahlt nicht

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Die Mediziner können anhand dieses Verfahrens bestimmen, ob eine genetische Disposition für bestimmte Krankheiten vorhanden ist. Damit können bereits prophylaktische Maßnahmen ergriffen werden, selbst wenn die Krankheit bislang noch nicht zum Ausbruch gekommen ist.

Die private Krankenversicherung erhielt von der Klägerin Belege über die Kosten, die für die durchgeführte Untersuchung entstanden sind, ein. Die PKV lehnte die Kostenübernahme ab, denn eine diagnostische Untersuchung ist weder eine Heilbehandlung im medizinischen Bereich noch eine ambulante Vorsorgeuntersuchung nach § 192 Abs. 1 VVG.

Der Fall endete erst einmal vor dem Amtsgericht Ludwigsburg, das jedoch mit Aktenzeichen 10 C 1066/12 der privaten Krankenversicherung Recht gab. Die Klägerin jedoch ging in die Berufung und so wurde der Sachverhalt vor dem Landgericht Stuttgart nochmals aufgerollt und wieder unterlag die Klägerin. Auch das Landgericht war der Auffassung, das ohne Erkrankung eine Heilbehandlung nicht möglich sei und da die Klägerin nicht erkrankt war, sei die Ablehnung der Kostenübernahme rechtens (Aktenzeichen 13 S 131/12). Auch die Berufung auf § 307 BGB, der die unangemessene Benachteiligung eines Vertragspartners regelt, komme lt. Landgericht Stuttgart hier nicht zum Zuge.

§ 192 für die Rechte der Privatkrankenversicherten


Eine Änderung des Gesetzes der versicherungsrechtlichen Vorschriften wurde vor Kurzem im Bundestag verabschiedet. Damit wird die Kostenübernahme der Privatkrankenversicherten sowie deren Therapeuten ein Risiko, das kalkulierbar ist, denn die PKV muss auf Anforderung über die Kostenübernahme schriftlich Auskunft geben.

§192 für das Recht der Krankenversicherung

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Das wurde im § 192, Abs. 8 so folgt geregelt, dass vor Beginn der Heilbehandlung, wenn diese aller Voraussicht nach mehr als 2.000,00 Euro kosten wird, durch Einreichen des Kostenvoranschlages an die PKV diese verpflichtet ist, den Umfang des Versicherungsschutzes für diese Heilbehandlung schriftlich der Versicherungsnehmer vorzulegen. Dazu hat die Versicherung vier Wochen Zeit; sollte die Heilbehandlung schnell beginnen, so muss der Versicherer bereits nach zwei Wochen die Auskunft der Kostenübernahme mit den Gründen sowie auf die Bezugnahme des Kostenvorschlages bzw. der eingereichten Unterlagen dem Versicherten zukommen lassen. Dabei ist die Frist so geregelt, dass diese mit dem Eingang des Schreibens beim Versicherer, mit dem Auskunft verlangt wird, zu laufen beginnt. Wird die Frist vom Versicherer nicht eingehalten, so kann der Versicherungsnehmer, bis er vom Versicherer das Gegenteil erfährt, davon ausgehend, dass die Heilbehandlung notwendig ist und die Kosten übernommen werden.

Des Weiteren wird an der Kündigungsfrist gerüttelt, diese soll verlängert werden, und zwar auf zwei Monate (bisher war es ein Monat). Damit soll der Wechsel aufgrund von Prämienerhöhungen für die Versicherten erleichtert werden. Ein weiteres Recht für die Versicherten ist die Akteneinsichtnahme, sodass die Versicherten die Gutachten und Stellungnahmen für die Übernahme oder Ablehnung von der Kostenerstattung gesundheitlicher Maßnahmen einsehen können, ohne dass sie einen Arzt oder Anwalt konsultieren müssen.

Die PKVs auch 2013 im Test


Auch für 2013 werden die privaten Krankenversicherungen von der Stiftung Warentest ins Visier genommen und verglichen. Für die privaten Krankenversicherungen ist dieser Text wichtig, denn viele Neukunden verlassen sich auf die Berichte der Stiftung Warentest.

Die Landschaft der privaten Krankenversicherungen hat sich bereits zu Beginn des Jahres 2013 stark verändert. Schuld daran ist die Einführung der Unisex-Tarife, die schon im Dezember 2012 stattgefunden hat. Betroffen sind die auf die einzelnen Tarife ausgelegten Testberichte, die durch die Unisex-Tarifen ins Wanken geraten sind. Doch auch 2013 wird sowohl ein Rating als auch ein Ranking für die Private Krankenversicherung erwartet und das mit Spannung. Der map-Report sollte den Reigen der Veröffentlichungen im Februar beginnen, gefolgt von Morgen und Morgen, die erst im Oktober veröffentlicht, während fortlaufend im Jahr die Assekurata die Veröffentlichung ihrer Ratings vornimmt.

Es wird davon ausgegangen, dass die Testsieger des Jahres 2012 auch 2013 eine große Rolle spielen werden – jedenfalls im map-Report, bei der Assekurata und Morgen und Morgen. Die Stiftung Warentest wie auch Focus-Money und Franke und Bornberg bewerten nach den einzelnen Tarifen und ihr Verhältnis zueinander. Andere wiederum lenken ihren Blick auf das gesamte Versicherungsunternehmen.

Damit die Beiträge konstant bleiben und für den Versicherten auch bezahlbar sind, wird das Augenmerk darauf gerichtet, ob die Versicherungsgesellschaft wirtschaftlich eine gute Basis vorweisen kann. Ist dies der Fall und die Rating- und Ranking-Agenturen sehen das ebenso, dann besteht eine doch berechtigte Zuversicht, dass es diese Versicherung auch in den nächsten Jahren noch am Markt geben wird.
Wie die Rating-Agenturen bewertet haben und die aktuellen Testberichte und -ergebnisse können Verbraucher beim Verbraucherportal krankenversicherungsvergleiche.de/ abrufen.

Private Krankenversicherung: SPD dagegen

Die private Krankenversicherung ist schon seit geraumer Zeit der SPD und Bündnis90/die Grünen ein Dorn im Auge. Deshalb wird beim SPD-Wahlkampf der Frust der Privatkrankenversicherten genutzt, um mit dem Konzept der Bürgerversicherung die Wähler zu mobilisieren. Beschlossen wurde das Konzept für die Bürgerversicherung bereits Ende 2011 beim SPD-Parteitag. Jetzt wird das Konzept eines der Top Ten Punkte im SPD-Wahlkampf. Die Einführung der Bürgerversicherung ist jedoch ein Umbauplan, der radikal das deutsche Gesundheitssystem verändern soll. Wird dieser Plan umgesetzt, dann werden alle Bundesbürger Mitglied einer gesetzlichen Krankenversicherung.

Für die PKV würde die Umsetzung das Ende der privaten Krankenversicherung bedeuten. Sicher – auch bei der Umsetzung müsste die SPD gemäßigter sein, denn die Privatkrankenversicherten sollten ein Mitspracherecht haben, ob sie in die GKV bzw. Bürgerversicherung wechseln vollen. Diejenigen jedoch, die sich neu versichern lassen müssen, wären automatisch Mitglied der Bürgerversicherung. Die Folge wäre dann, dass die private Vollversicherung keine neuen Mitglieder erhalten und somit de facto ausbluten würde.

Zuspruch würde die Bürgerversicherung von den privat Krankenversicherten erhalten, die ihre monatlichen Prämien nicht mehr bezahlen können. Einer Umfrage zufolge, die die Boston Consulting Group durchgeführt hat, wären etwa 25 % der Privatkrankenversicherten bereit, den Wechsel zur Bürgerversicherung zu vollziehen. Das mag einer der Gründe sein, dass dieses Thema zum Wahlkampfthema der SPD geworden ist. Nach dem  Konzept der SPD sollen die Privatkrankenversicherte für ihre Entscheidung ein Jahr Zeit haben.

Fast drei Viertel der deutschen Bevölkerung unterstützt das von der SPD vorgelegte Modell. Besonders in dieser Sache wird der SPD sehr viel Vertrauen entgegengebracht, denn mit der Bürgerversicherung hört auch die Zwei-Klassen-Medizin auf und alle Versicherten werden gleich behandelt.