Private oder gesetzliche Krankenversicherung? Keine Entscheidung die man übers Knie brechen sollte!

Die Entscheidung zwischen privater und gesetzlicher Krankenversicherung kann fatale Folgen mit sich bringen. Einer der maßgeblichen Faktoren ist der Gesundheitszustand, welcher bei Abschluss einer PKV den Beitrag mitbestimmt. Nicht jeder Bürger kann sich privat versichern. Die Angst, dass die Beiträge im Alter nicht mehr finanzierbar sind, ist durchaus berechtigt.

Eine PKV sollte man auch nur dann in Erwägung ziehen, wenn man sich einen Premium-Tarif dauerhaft leisten kann. Die meisten Startertarife bieten eine eingeschränkte und nicht für jedermann direkt erkennbare Leistung mit dem Namen „Primärarztprinzip“ an. Dieser Passus im Vertrag  kann unter Umständen einen Menschen ruinieren. Der billige Beitrag lockt den jungen Existenzgründer schnell in die private Krankenversicherung. Doch wenn er während der Versicherungszeit erkrankt, muss er einen Arzt aufsuchen. Der Versicherte wälzt bei einer unerwarteten Krankheit nicht vorher noch schnell die Versicherungsbedingungen. Nicht immer informiert der Berater darüber, welche Folgen diese Klausel mit sich bringen kann. Das meint er nicht böse, manchmal weiß er es einfach nicht besser, weil er sich selbst noch in der Ausbildung befindet.

Was heißt das in der Praxis für den Versicherten?

Primärarztprinzip: Vorsicht!

In der Praxis bedeutet dies folgendes: Nehmen wir mal an, Sie sind in einem solchen Startertarif versichert und fühlen sich auf einmal wie erschlagen. Sie brauchen dringend ärztliche Hilfe, doch der Hausmediziner, den Sie in der Versicherungspolice als Primärarzt benannt haben, verbringt gerade seinen Urlaub auf Mallorca. Sie sind gesundheitsbewusst eingestellt, machen sich auf den direkten Weg zum nächsten Internisten. Die Formalität „Überweisung“, der es beim Primärarztprinzip bedarf, um volle 100 Prozent erstattet zu bekommen fehlt Ihnen jetzt.  In der Aufregung um Ihren Gesundheitszustand verfliegt der Gedanke daran. Sie kommen in die internistische Ambulanz, wo Sie als erstes eine Urinprobe abgeben müssen. Der Arzt kommt ins Zimmer und teilt mit, dass Sie an Diabetes erkrankt sind. Die knallharte Folge endet in einem Dilemma. Sie zahlen Ihr Leben lang eine Differenz von 20 Prozent aller Behandlungskosten, die mit dieser Krankheit in Zusammenhang stehen. Manchmal ist die Zusatzversicherung die bessere Wahl. Solch eine Diagnose einer chronischen Erkrankung wird gesetzlich Versicherten in dem Fall nur einmalig mit 10 Euro Praxisgebühr berechnet, wenn die Überweisung vergessen wurde.

Neue Behandlungsrichtlinien bei Diabetes – Teil 1

Es soll nunmehr mit neuen Richtlinien der Behandlung von Diabetes auf die Patienten individuell eingegangen werden. Es ist häufig vorgekommen, dass einfach zu viel therapiert wurde und es drohte eine Unterzuckerung. Dadurch sind oft auch Babys oder gar Ungeborene zu Diabetikern gemacht worden. Die Therapie soll nunmehr direkt nach einer Blutzucker-Messung mit dem Arzt besprochen werden. Damit steht wesentlich mehr Arbeit für die Ärzte an, denn eine entsprechende Beratung und die begleitende Betreuung ist sehr zeitintensiv. Doch das hat auch was Gutes, denn die Krankheit kann mit diesem Mehraufwand wesentlich besser im Zaum gehalten werden und gravierende negative Folgen werden damit weitestgehend vermieden.

Ziele festsetzen

Diabetes: Unterzuckerung ist gefährlich

Der Chefarzt der Endokrinologie der Charité, Professor Andreas Pfeiffer, weist darauf hin, dass eine Übertherapie nicht mehr stattfinden kann und dass ebenso oft gefährliche Nebenwirkung schlichtweg ausbleiben. Der Europäische Diabetes-Kongress, der momentan in Berlin stattfindet, beschäftigt sich genau mit diesem Thema. Die veränderte Patientenbetreuung beruht auf den Therapierichtlinien, die neu aufgestellt wurden. Der behandelnde Arzt soll persönlich mit seinem Patienten die vorliegende Situation besprechen und die Ziele erläutern. Auch soll der Patient besser darüber aufgeklärt werden, wie viel Mühe und auch Zeit investiert werden muss, damit diese Ziele erreicht werden können. Bisher ist eine individuelle Behandlung durch eine standardisierte ersetzt worden.

Zu wenig Zucker – zu hoher Blutdruck

Pfeiffer sagt weiter, dass gerade die älteren Patienten sehr unsicher mit dem Insulin sind. Damit ist das Risiko einer Unterzuckerung gegeben. Oft sind die Patienten, die bereits das 70. Lebensjahr erreicht haben ohne Folgeschäden der Erkrankung geblieben. Es kann hier die Dosis einfach gesenkt werden, damit die Gefahr der Unterzuckerung gebannt ist. Eine optimale Einstellung ist bei diesen Patienten nicht unbedingt notwendig, da sich auch der Stoffwechsel im Alter extrem ändert. Diabetes ist ernst zu nehmen.

Die Hypoglykämie, also die Unterzuckerung, tritt ein, wenn zu wenig Zucker im Blut ist, also auch wenn das Insulin überdosiert verabreicht wird. Damit wird der Kraftstoff dem Körper entzogen und es kann zu einem Blutdruckanstieg kommen. Eine schnellere Atmung, Herzrasen und auch Aggressionen oder Übererregbarkeit sind die Folge. In sehr schlimmen Fällen kommt es gar zu Krämpfen, Bewusstseinstrübungen oder Lähmungen. Der absolut schlimmste Fall wäre die Bewusstlosigkeit und der Tod. Das alles muss intensiv mit dem Arzt besprochen werden und eine entsprechende Therapie erfolgen, damit die Risiken der Unterzuckerung minimiert werden können.

Neue Behandlungsrichtlinien bei Diabetes – Teil 2

Die neuen Leitlinien der Behandlungen bei Diabetes orientieren sich nah an dem Patientenalltag. Anders sieht es da wieder bei der Genetik aus, die ebenfalls auf dem Berliner Kongress besprochen wurde. Pfeiffer sagt dazu, dass die Grundlagenforschung bereits neue Erkenntnisse gebracht hat, jedoch auch noch immer viele Rätsel offen lässt. Mehr als 60 Gene wurden für die Beeinflussung zur Diabetes-Erkrankung nachgewiesen.

Diabetes und die neuen Richtlinien

Jedoch erklären diese lediglich 10 Prozent des Risikos. Es wird davon ausgegangen, dass epigenetische Faktoren durchaus eine entscheidende Rolle spielen. Epigenetik bedeutet, dass bereits bei der Befruchtung der Eizelle die Gene festgelegt werden. Im Laufe des Lebens kann jedoch eine Modifizierung durchgeführt werden, denn der Lebensstil ist entscheidend dafür, ob bestimmte Gene an- oder auch ausgeschaltet werden. Dadurch kann die Erkrankung an Diabetes entscheidend beeinflusst werden.

Auswirkung der Faktoren

Bereits im Mutterleib kann der Fötus und nachher auch der Säugling beeinflusst werden, ob er an Diabetes erkrankt oder nicht. Jedoch ist dies eine sehr schwierige Verantwortung für die werdenden Mütter. Viele sind bereits an Diabetes erkrankt, sind Raucherin oder gar übergewichtig. Diese Faktoren beeinflussen die Gene entsprechend. Die Ernährung des Babys im ersten Lebensjahr wird ebenfalls als entscheidend für die Erkrankung angesehen. Wird es überfüttert und dick, steigt das Diabetes-Risiko enorm. Gerade Raucherinnen bekommen sehr kleine Kinder und diese legen dann zu schnell an Gewicht zu. Die epigenetischen Faktoren sind jedoch noch nicht bis aufs Kleinste untersucht und daher sind dies nur Vermutungen, wie sich günstige oder ungünstige Faktoren auswirken.

 

Erhöhtes Risiko bei Schichtarbeitern

Nicht nur Raucherinnen und Übergewichtige tragen ein Diabetes-Risiko in sich, sondern auch Schichtarbeiter. Dieser Lebensstil wirkt sich extrem auf den Stoffwechsel aus. Daher steht auch dieses Thema auf der Agenda des Kongresses. Es gibt fünf Gene, die zentral die innere Uhr steuern. Mit ein paar anderen dabei macht das bis zu 15 Prozent aus, die die Stoffwechselvorgänge beeinflussen. So ist ein Wechselschichtarbeiter einem höheren Risiko unterlegen, als ein „normal“ arbeitender. Die Schichtarbeit wird damit zu einem Problem der Gesundheit und der Gesellschaft. Dennoch gibt es zwei grundlegende Dinge, die jeder befolgen kann. Auf das Gewicht achten und sich viel bewegen. Das können Übergewichtige, Raucherinnen und auch Schichtarbeiter. Im Grunde kann jeder selbst das Risiko der Stoffwechselerkrankung steuern, so Professor Pfeiffer.