Den gesetzlichen Krankenkassen geht es gut

In der Vergangenheit gab es zwar auch eine gesetzliche Krankenkasse die schließen musste, aber dennoch geht es einigen Krankenversicherungen recht gut. Sie verzeichnen jede Menge Reserven, was ja auch kein Wunder ist. Die Praxisgebühr wird nach wie vor kassiert.

Überschüsse der gesetzlichen Krankenkassen

Der Beschäftigungsboom sorgt für große Überschüsse bei den gesetzlichen Krankenkassen. Nach den Zahlen des Bundesgesundheitsministeriums liegt der absolute Rekord bei fast 22 Milliarden Euro. Die gesetzlichen Krankenkassen (GKV) verlangen nach wie vor die Praxisgebühr von den Patienten. Im Gespräch war, dass diese eventuell abgeschafft werden soll. Sie schaffe zu viel Bürokratie. Deutschland hat 50 Millionen fleißige Beitragszahler. Sie sind nicht zufrieden mit dieser Situation. Werden die Kassen das Geld zum Teil auch mal an die Menschen weitergeben? Gesundheitsminister Daniel Bahr von der FDP ist dafür, dass die Versicherten auch was von den Überschüssen haben. Sie sollen das Geld in Form von Prämienausschüttungen oder Leistungsverbesserungen erhalten, wenn es nach Bahr gehen würde. Die GKV seien doch keine Sparkassen, meinte der Gesundheitsminister.

Entwicklung der Krankenkassen

Die gute Entwicklung der gesetzlichen Kassen hat man dem Anstieg von Löhnen und Renten teilweise zu verdanken. Auch das Arzneimittelsparpaket sorgt für die gute Entwicklung. Viele Kassen verfügen über Reserven oberhalb der zulässigen Grenze von 1,5 Millionen Monatsausgaben. Prämienauszahlungen erhalten nur 700000 Krankenversicherte. Das ist nur 1 Prozent aller gesetzlich Versicherten. Gewarnt wurde durch den GKV-Spitzenverband, dass die Summen nicht zu hoch sein dürften. „Den Blick nicht darauf verstellen, dass der Überschuss aus dem ersten Halbjahr 2012 lediglich einer Reserve von fünf Tagen entspricht und dass der Gesundheitsfonds ein Minus von fast 500 Millionen Euro gemacht hat“, heißt es lt. Spitzenverband. Jede Kasse entscheidet selbst über die Prämienausschüttungen.

Studie der privaten Krankenversicherung

 

Die privaten Krankenversicherungen widersprechen einer Studie der AOK, nach die die PKVs nicht mehr vital, sondern angeschlagen ist. Sicher, auch die PKV haben eine milliardenschwere Unterfinanzierung neben stark ansteigenden Beiträgen.


In der jüngsten Expertise, die vom AOK-Bundesverband in Auftrag gegeben wurde, wurden die privaten Krankenversicherungen als Krankenvollversicherung ohne Zukunftsaussichten dargestellt. Dr. Volker Leienbach, Direktor des Verbandes der Privaten Krankenversicherung widersprach dem aufs Heftigste. Leienbach nennt im „Implicon“ (gesundheitlicher Hintergrunddienst) Zahlen. So seien im letzten Jahr mehr als 75.000 neue Versicherte neu zu den PKVs gestoßen, die von der GKV zur PKV gewechselt haben, wobei der Trend zeigt, dass die Tendenz ansteigend ist.


Damit ist die Anzahl der Privatkrankenversicherungen, die eine Vollversicherung haben, um 90.000 Versicherte angestiegen auf 8,89 Millionen Menschen. Anders als bei den Mitglieder der GKV, so Leienbach, kommen die Versicherten freiwillig in die PKV, während die GKV bis zur Versicherungspflichtgrenze alles andere als eine freiwillige Entscheidung darstelle.


Leienbach wertet die Kritik des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen als Polemik, denn den 144 Beschwerden stehen Millionen zufriedener Versicherter gegenüber. Auf Systemfehler kann man bei dieser geringen Beschwerdezahl nicht schließen. In Endeffekt seien 144 nicht zufriedene Versicherte etwa 0,016 Promille.


Unabhängig davon betonte er, dass der durchschnittliche Anstieg der Beiträge etwa zwei Prozent betrage. Die Deutsche Aktuarvereinigung hat sich mit ihren Experten auch der Thematik der angestiegenen Beiträge angenommen und ist der Meinung, dass – langfristig gesehen – die PKVs ihre Beiträge jährlich um etwa drei Prozent anheben werden.


Dr. Leienbach wies auf die hohen und immer weiter steigenden Gesundheitskosten hin, die jedoch gleichermaßen beide Versicherungssysteme betreffen. Dabei, so betonte er, sei durch die kapitalgedeckten Alterungsrückstellungen die PKV der gesetzlichen voraus. Damit ist die PKV besser auf die Zukunft und ihren Problemen vorbereitet. Ein Krankenversicherungsvergleich ist vor Wechsel notwendig.

Privatversicherte wechseln häufiger in die GKV

Einige Privatversicherte wechselten in letzter Zeit in die gesetzliche Krankenkasse um die Vorzüge des gesetzlichen Systems zu genießen. Der Grund dafür sind die günstigeren Beiträge. Doch der Wechsel ist nicht für jeden gleich möglich.

Wechsel in die GKV wegen Beitragserhöhung

In den letzten Monaten verzeichnete die GKV einige Zugänge aus der PKV. Umso älter man ist, umso schwieriger ist der Wechsel von der gesetzlichen in die private Krankenversicherung. Die Beiträge der PKV werden für manche Menschen im Alter unbezahlbar. Wer von der gesetzlichen in die private Krankenversicherung gewechselt ist, hat Schwierigkeiten zu einem späteren Zeitpunkt wieder in die GKV zu gelangen. Die einfachste Möglichkeit ist der Wechsel aus einer Selbständigkeit in ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis. Obwohl man glaubt, dass es kein Weg zurück gibt bietet der sogenannte „Statuswechsel“ häufig eine Variante in die GKV zu gelangen. „Wir müssen aber viele enttäuschen, weil sie keine rechtlichen Möglichkeiten haben zu wechseln“, teilte ein Sprecher des AOK Bundesverbandes mit.

Mediziner sind für den Erhalt der PKV

Die Mediziner in Deutschland stimmen für den Erhalt der privaten Krankenversicherung (PKV). Dennoch sind sie der Meinung, dass eine Reform notwendig ist. Beim Ärztetag in Nürnberg sollen Zukunftspläne der PKV ein Thema sein.

PKV und die Ärztelobby

Der Präsident der Deutschen Ärztekammer, Frank Ulrich Montgomery, teilte mit, dass die Mediziner zur rechten Zeit vor den Änderungen in der Politik eine Duftmarke setzen möchten. Im Jahr 2013 finden die Neuwahlen statt. Ausschlaggebend für die Existenz der PKV wird die Wahlentscheidung sein. Denn SPD und Grüne sind für eine sogenannte „Bürgerversicherung“. Dies könnte die private Krankenversicherung Kopf und Kragen kosten. «Wir wollen als Ärzteschaft rechtzeitig vor dem Bundestagswahlkampf eine klare Duftmarke setzen», teilte Montgomery der dpa mit. «Wir gehen davon aus, dass die Systemfrage eine Rolle im Wahlkampf spielen wird», meinte er.

Politik und die Bürgerversicherung

Die SPD ist für ein einheitliches System, ohne dass PKV und GKV getrennt sind. Die Union stellt die derzeitige Form der privaten Krankenversicherung in Frage. «Ich glaube, dass es keines dramatischen Systemwechsels bedarf», so Montgomery. Er hält die Bürgerversicherung für eine Fehlentwicklung. Die Einführung dieser Versicherung würde große Leistungseinschränkungen mit sich bringen. Der Gutverdiener kauft sich einfach eine bessere Versorgung, wenn die Bürgerversicherung ins Spiel kommt. Das System mit privater und gesetzlicher Krankenkasse soll erhalten bleiben lt. dem Präsidenten der Ärztekammer. Aufgrund der Beitragsentwicklung und den großen Sprüngen der Steigerungen in der PKV hält Montgomery eine Reform für sinnvoll. Einsteigertarife sind zu Beginn bezahlbar und sind aber schwierig einzuschätzen.

Tarifbeispiel eines Einsteigertarifes mit Erhöhungen

Die Central Krankenversicherung entwickelte die Tarife „KEH“ welche für Einsteiger vor einigen Jahren enorm günstig ins Rennen gingen. Nach ein paar Jahren legte der Tarif über 25 Prozent zu mit einer Beitragserhöhung. Lt. Montgomery müssen diese Probleme reguliert werden. Einige private Krankenversicherer wie DKV, Central und Co. haben bereits Billigtarife vom Markt genommen. Der Trend geht in die Richtung Qualität. «Diese Dinge müssen wir regulieren.» Insgesamt sei Schwarz-Gelb in der Gesundheitspolitik durchaus erfolgreich gewesen. «, sagte der Ärztekammer-Präsident. Bei der Wahl möchte er dies auch betonen.

Gesetzliche Krankenversicherung und finanzielles Polster

Die GKV verfügt derzeit über mehr als 5 Milliarden Euro Polster. Montgomery meint, dass diese Mittel für eine eventuelle Krise bei der gesetzlichen Krankenversicherung verbleiben sollen. Die Abschaffung der Praxisgebühr wäre eine Alternative den Versicherten vor der Wahl Geld zurück zugeben. Diese verursacht viel Bürokratie und belastet die Patienten.

Prämienerhöhungen in der PKV

Aufgrund der Versprechen, die die PKV abgegeben hat, haben viele von der GKV in die PKV gewechselt. Solange die finanzielle Lage gut war, hat sich die PKV in der Regel auch kulant gezeigt und vieles bezahlt, was außerhalb der Vertragsleistungen war. Jetzt ist die finanzielle Lage angespannt und die Kulanz der PKV lässt merklich nach.
Versicherte müsse daher immer öfters feststellen, dass Behandlungen nicht bezahlt werden, die für sie bisher selbstverständlich waren. Auch waren viele davon überzeugt, dass diese Leistungen in ihrem Tarif bei ihrer Krankenversicherung, enthalten sind.

Prämienerhöhung der PKV

Für Aufregungen sorgten Schlagzeilen. Die PKV wollte Schulung für den Blindenstock eines erblindeten Mädchens nicht bezahlen, weil diese Leistung vertraglich nicht vereinbart war. Auch im Tarif des Versicherten sei diese Leistung nicht enthalten. Derzeit gibt es einige Versicherungen, die mit einer Prämienerhöhung von 30 % ihre Versicherten belasten. Der Versicherungsexperte Michael Wortberg von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz bemängelt dies. Kunden der PKV, so berichtet er, können diese hohen Beiträge nicht mehr bezahlen, wenn sie im Ruhestand sind. Um diese Ausfälle zu kompensieren, müssen andere Versicherte höhere Prämien bezahlen.

Ein weiteres Problem der privaten Krankenversicherung ist das, dass ihr die Instrumente fehlen, die notwendig sind, um die steigenden Kosten aufzufangen. Höhere Kosten verursachen z. B. neue Krankheitsbilder und neue Behandlungsmethoden, aber auch die steigende Anzahl der Krankheitsfälle. Die Kosten für Leistungen bzw. Medikamente steigen stärker als bei den gesetzlichen Krankenkassen an. Apotheken, Arztpraxen, Zahnarztpraxen sowie Krankenhäusern langen kräftig zu, wenn der Patient privat krankenversichert ist. Aber auch die Verwaltung ist ein nicht zu übersehender Kostenfaktor. Die privaten Krankenversicherungen dürfen sich derzeit nicht wundern, wenn sie immer öfters infrage gestellt werden. Das liegt oft auch daran, dass sich PKV und GKV immer mehr aneinander orientieren. Wenn sich beide so angleichen, kommt sicherlich eine Einheitsversicherung.

Bürgerversicherung in Planung

Private Krankenversicherungen werben mit einem besseren Schutz und günstigeren Tarifen. So schön – so gut. Doch ihre Kunden verärgern sie mit steigenden Beiträgen und immer öfters auch mit ungünstigeren Tarifkonditionen. So werden die Kunden verscheucht und die Branche gerät in eine Krise.

Bürgerversicherung

Die Medien helfen den Gerüchten zur Popularität und schaukeln die schlechten Nachrichten künstlich hoch.
Die PKVs wollen nun wieder auch in der öffentlichen Meinung besser dastehen. Das ist derzeit sehr wichtig, denn immerhin wollen die SPD, Linke und Bündnis90/Die Grünen schon seit Jahren das duale Versicherungssystem kippen und eine Bürgerversicherung ins Leben rufen. Jetzt mehren sich auch noch die Parteien, dies bislang immer treu zur PKV gestanden sind. So stellt Jens Spahn von der CDU die PKV infrage.

Das einst so strahlende Image der Branche bröckelt. Jahrelang hat die PKV ihre Überlegenheit in Bezug auf die gesetzlichen Krankenkassen demonstriert. Auch wenn der Werbeslogan werbewirksam war, blieb nicht lange verborgen, dass die Probleme bei den PKVs immer größer wurden. Viele Tarife kamen neu hinzu, die bestehenden überalterten und die Prämien vieler Tarife erfahren eine explosionsartige Erhöhung. Dabei stellten die Versicherten fest, dass viele Versprechen nicht umgesetzt und eingehalten werden.

Der ehemalige Versicherungsmakler Claus-Dieter Gorr hat die Tarife durchleuchtet und die Daten zusammengetragen. Dabei hat er festgestellt, dass die meisten Privatkrankenversicherten einen schlechten Tarif haben und somit keine Kostenabdeckung für viele Behandlungen, die notwendig seien, vorhanden sei. Für die Versicherten können daher im Krankheitsfall Krankheitskosten fällig werden, die unbezahlbar sind und auf denen sie sitzen bleiben. Die PKVs waren in den vergangenen Jahren in diesen Fällen sehr kulant, doch mit der schwierigen finanziellen Lage wird in der Regel nur noch das bezahlt, was vertraglich vereinbart wurde.

Flexiblerer Einsatz für die Alterungsrückstellungen bei der PKV geplant

Immer noch stehen die Beitragsanhebungen der PKV in den Diskussionen, die absolut nicht abreißen wollen. Einerseits werden die Beitragserhöhungen schön geredet, auch wenn einzelne PKVs hierbei über die Stränge geschlagen sind. Andere wiederrum sagen, dass die GKV in den letzten 13 Jahren einen Beitragsanstieg zu verzeichnen hatte, der doppelt so hoch war. Die PKV versucht nun über die Politik für eine flexiblere Handhabung in Bezug auf die Alterungsrückstellungen zu erreichen, damit die Versicherten bereits vor dem 60. Lebensjahr davon profitieren und so Beitragserhöhungen abgefedert werden können.

Altersrückstellungen der PKV

Derzeit sei man, so verlautet es aus Kreisen des Verbands der PKV e.V., ist im Gespräch mit dem Bundesministerium der Finanzen und der BaFin darüber, dass der Einsatz der Alterungsrückstellungen flexibler gestaltet werden kann. Beitragssteigerungen könnten somit bereits vor dem 60. Lebensjahr abgefangen werden. Aus Vorstandskreisen eines der großen PKV-Unternehmen hieß es. dass mehr getan werden müsse für die Altersgruppen zwischen 45- bis 60-Jahren in der PKV, damit die Versicherten davon profitieren. Dafür müsse man die Alterungsrückstellungen flexibler gestalten und einsetzen. Außerdem sollte die die Schwelle auf 5 % abgesenkt werden. Diese Schwelle soll die Kostensteigerungen im Gesundheitswesen in den Griff bekommen und damit keine gravierenden Beitragserhöhung auslösen, sondern lediglich akzeptable Beitragsanpassungen.

Keine Billigtarife in der PKV


Bei den Billigtarifen, die oft einen sehr hohen Selbstbehalt beinhalten, könnte es zu markante Beitragserhöhungen kommen. Bei einem Billigtarif, der einen Selbstbehalt von jährlich 1.000 Euro beinhaltet und bei einer Kostensteigerungen, die 15 % in drei Jahren ausmacht, könnten Beitragssteigerungen von etwa 30 % durchaus möglich sein. Es ist einfach so, dass Tarife nicht in die private Krankenversicherung gehören, die einen kleineren Leistungskatalog als die GKV haben. Die PKV und ihre Tarife sollten besser sein als die GKV – etwa „gesetzlich +X“. Die zu erwarteten Kostensteigerungen sollten nicht in den Kalkulationen einfließen. Auch nur die Annahme von Kostensteigerungen sei inflationsfördernd – hier hat bereits die Deutsche Bundesbank ihr Veto eingelegt.

Die Krankenversicherten interessiert nur der Beitrag


Für die Versicherten – egal ob sie in der PKV oder der GKV sind – ist nur das interessant, was sie monatlich für die Krankenversicherung zu berappen haben. Der PKV-Versicherte merkt selbstverständlich sofort, wenn der Beitrag erhöht worden ist. Der GKV-Versicherte merkt das erst, wenn er eine Gehaltserhöhung bekommt und unterhalb der Beitragsbemessungsgrenze bleibt. Das resultiert aus dem umlagefinanzierten System der GKV, die derzeit einen einheitlichen Beitrag von 15,5 % hat Heftig kritisiert wurden die Berechnungen des Iges Instituts von den PKVs. Das Institut hat ohne relevantes Datenmaterial die Beitragserhöhungen für einen Zeitraum von 13 Jahren in der PKV geschätzt und kam zum Ergebnis, dass die Beiträge der PKV um 55 % gestiegen seien und die der GKV um 32 %. Die PKV verwies auf die Erkenntnisse von Map-Reports und Assekurata, deren Ermittlung der Beitragserhöhungen weit geringer ausgefallen waren. Nur die BaFin hat letztendlich die vollständigen Daten, die für eine Auswertung aller Krankenversicherungsunternehmen einbezogen werden können, um die substitutive Krankenversicherung zu betreiben. Nach diesen Daten sind die Beiträge der PKV von 2009 zu 2010 um 7,27 % angestiegen und im Durchschnitt um 5,2 % in den letzten elf Jahren. Kritisiert wurde von Kreisen der PKV, dass die Beitragserhöhungen seit dem Jahr 2000, die zur Stärkung der Altersrückstellungen dienen, mit 10 % eingerechnet worden seien.

Präsident der Ärztekammer verteidigt duales Krankenversicherungssystem

Damit die PKV überleben kann, muss sie sich reformieren.Frank Ulrich Montgomery, der Präsident der Bundesärztekammer, verteidigt das duale System, das von den gesetzlichen Krankenkassen und privaten Krankenversicherungen getragen wird. Ausschließen will er jedoch nicht, dass auf beiden Seiten auch Versicherungen im Gesundheitswesen in die Pleite steuern können.

PKV im Gespräch

Der Ärztetag wird in Mitte Mai in Nürnberg über die Finanzierung der privaten und gesetzlichen Krankenversicherung diskutieren. Beide Systeme seien reformbedürftig, so Frank Ulrich Montgomery in einem Interview mit Welt Online. Welt online fragte Herrn Montgomery, ob er erkennen könne, dass die Koalition einen Systemwechsel im Bereich der Finanzierung der GKVs eingeleitet hat, wie sie zu Beginn ihrer Regierung versprochen hatte. Der Systemwechsel sei, so Frank Ulrich Montgomery, eingeleitet worden mit dem einheitlichen Beitragssatz von 15,5 Prozent für die gesetzlichen Krankenkassen. Eine Finanzierung bei Steigerung der Ausgaben werde über einkommensunabhängige Zusatzbeiträge im Griff gehalten. Für Welt Online ist das jedoch kein Systemwechsel. Hier stimmte Montgomery zu. Die Zusatzbeiträge, so der Präsident der Bundesärztekammer, sind kein reines Prämienmodell; dieser Punkt war zwar innerhalb der Koalition diskutiert worden, jedoch fand er keine Mehrheit. Es kann jedoch als Einstieg bewertet werden.Welt Online hakte hier nach und fragte, warum dies nur als Einstieg bewertet werden kann. Auch darauf hat Montgomery eine Antwort. Derzeit haben die gesetzlichen Krankenkassen genug Geld, sodass sich die Politik in der nahen Zukunft über eine Finanzierung oder ein Prämienmodell keine Gedanken machen wird. Politisch gesehen ist es so, dass in der Politik nur kurz- oder mittelfristig gehandelt wird. Es wird keine Regierung grundlegende Reformen riskieren, wenn es nicht unbedingt sein muss. Doch ist es sicher, dass auch beim Gesundheitssystem eine Änderung der Finanzierung erfolgen muss.

 

Ist die derzeitige Mischung, so fragte Welt Online nach, die aus lohnabhängigen Beiträgen und Steuern besteht, in der Zukunft nicht mehr machbar?

 
Montgomery antwortete darauf wie folgt: Derzeit haben wir fast wieder Vollbeschäftigung. Das heißt, dass das Umlagesystem funktioniert. Wie die Zukunft aussieht, ist fraglich. Drei Beitragszahler, die arbeiten, finanzieren heute schon einen Versicherten, der Leistungen von der Krankenversicherung empfängt. Durch die niedrigen Geburtenraten der vergangenen Jahre wird das Verhältnis in etwa 30 Jahren anders sein. Dann könnte durchaus der Fall eintreten, dass ein arbeitender Beitragszahler einen Versicherten, der Leistungen empfängt, finanzieren muss. Jeder Leistungsempfänger kann sich dann also seinen höchstpersönlichen arbeitenden Versicherten aussuchen! Für Welt Online ist diese Erkenntnis nicht neu und fragt nach. Bisher haben sich die Ärzte immer zurückgehalten und keine eigenen Vorschläge gemacht. Sagen Sie uns, wie die dieses Thema angehen wollen beim Ärztetag in Nürnberg. Die Debatte, so Montgomery, über langfristig angelegte Veränderungen sei dringend und notwendig. Politisch doch derzeit sehr problematisch und damit schwierig. Wir werden uns Gedanken machen, wie trotz immer weniger Ressourcen die Qualität des bestehenden Gesundheitssystems konstant gehalten werden kann. Damit dies gelingt, wird der Wettbewerb zwischen der GKV und PKV gebraucht. Hier garantiert ein umfangreicher Katalog Leistungen, die positiv für alle Patienten sind. Montgomery warnte ausdrücklich davor, das duale System zu ändern. Welt Online fragt nach: Herr Montgomery ist es also richtig, dass Sie gegen eine Bürgerversicherung sind. Diese wird von SPD und Bündnis90/DieGrünen gefordert und früher oder später darauf hinauslaufen, dass die gesetzlichen Krankenkassen (GKV) und die privaten Krankenversicherungen (PKV) fusionieren müssen.

 
Montgomery hält eine Bürgerversicherung nicht für umsetzbar. Jedenfalls keine, die die PKV abschaffen will. Einer verfassungsrechtlichen Überprüfung hat bisher kein bekanntes Modell standgehalten. Es ist zum Beispiel ein Eingriff, der einer Enteignung gleicht, wenn alle Einkommen in die Berechnung der Krankenversicherungsbeiträge fließen würden. Zum Finanzamt dürften die Krankenkassen nicht werden.

 
Die PKV, so Welt Online hat bisher als Vorbild gegolten. Derzeit hat sie jedoch mit sinkenden Erträgen aus den Kapitalrücklagen zu kämpfen, Von Verbraucherschützer werden die steigenden Prämien heftig kritisiert. Jetzt will die PKV ihre Ausgaben begrenzen, insbesondere im Bereich der Ärztehonorare.

 

Ist das für die PKV zukunftsfähig?

 
Grundsätzlich ist die PKV zukunftsfähig, so Montgomery. Doch wie bei allen anderen Brachen gibt es gesunde private Krankenversicherungsgesellschaften und andere, die mit Problemen zu kämpfen haben. Dies ist jedoch kein Systemfehler, sondern liege bei den einzelnen Versicherungsgesellschaften und ihrer Wirtschaftspolitik. Dieses Problem ist nicht hausgemacht, denn auch bei den gesetzlichen Krankenkassen stehen nicht alle gut da. Die Kritik bezüglich der explosiv ansteigende Beiträge bei Privatversicherern ist nicht berechtigt, denn extreme Prämienerhöhungen wurden von den Gesellschaften vorgenommen, die mit viel zu niedrigen Beiträgen neue Kunden geködert haben, was er als unseriös empfindet. Nicht nur die Versicherer haben unseriös gehandelt, denn auch die Kunden sollten sich fragen, ob die Erwartungen bei derart niedrigen Beiträgen nicht wirklich realistisch waren.

 

Was folgt daraus, so die Frage von Welt Online?

 
Montgomery antwortet: Gerade die privaten Krankenversicherungen müssen erkennen, dass eine Marktbereinigung unabdingbar ist, denn auch die Privatversicherer stehen nicht alleine, sondern im Wettbewerb. Zum Wettbewerb gehört nun einmal, dass nicht lebensfähige Unternehmen auf dem Markt nichts zu suchen haben und verschwinden. Die Ursachen können sein z. B. ein Insolvenzantrag, eine Pleite oder anderes. Derzeit ist es so, das die PKV um ihre Kosten zu senken, nachdrücklich und laut nach staatlicher Hilfe ruft, was anrührend ist. Die PKV will, wenn es für sie nützlich ist, eine Gleichbehandlung wie die GKV und will z. B. eine Gesundheitskarte oder Arzneimittelrabatte, damit die Gewährung von Sachleistungen garantiert werden kann.

 

Begrenzung von Maklerprovisionen? Hakt Welt Online nach

 
Montgomery lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Seine Antwort ist die, dass es sich hierbei auch um ein schönes Beispiel handeln würde. Er begrüße diesen Schutz aus gesundheitspolitischen Gründen. Jedoch finde er es völlig absurd, dass sich die PKV gegen ihre eigenen Makler nur mit einem Gesetz schützen kann. Er warnte die PKV eindringlich vor einer Angleichung mit den gesetzlichen Krankenkassen. An einer leistungsfähigen privaten Krankenversicherung haben vor allen Dingen wir als Ärzte ein großes Interesse, denn ohne die PKV währen viele Therapien und neue Formen der Diagnostik nicht vorhanden – jedenfalls nicht für alle Patienten, die jetzt davon profitieren. Dadurch, dass die PKV diese Dinge schnell genehmigt, werden die gesetzlichen Krankenkassen nur allzu oft in Zugzwang, gesetzt. Das Ergebnis ist dann das, dass sie der PLV folgen und somit auch die Versicherten der GKV noch den Innovationen profitieren. Welt Online fragt weiter: Derzeit steht der Vorwurf der PKV im Raum, dass die Ärzte die privaten Krankenversicherungen schröpfen würden, was bedeutet, dass Privatpatienten übermäßig häufig untersucht werden würden und zu viele Leistungen bekämen. Dagegen verwehrt sich Montgomery. Das sei nicht richtig und stimmt auch nicht. Fakt ist doch, dass jährlich mehrere Zehntausend Versicherte den gesetzlichen Krankenkassen den Rücken kehren und zu den privaten Krankenversicherungen wechseln. Es ist also kein Geheimnis, dass die PKV wächst. Fakt ist auch, dass die Versicherten der PKV älter werden. Wenn man sich das vor Augen hält, ist eine Steigerung der Ausgaben für die Leistungen, die die Ärzte erbringen, von knapp fünf Prozent jährlich nicht viel.

 
Die Höhe der Provisionen, die die Makler von der PKV jährlich erhalten, hält Frank-Ulrich Montgomery für dramatisch. Die Höhe der jährlich ausbezahlten Provisionen beträgt etwa 2,7 Milliarden Euro. Dieser Betrag ist nur halb so hoch, wie die PKV für die Arztleistungen ausgibt. Sicher ist das viel Geld und genau bei den Maklerprovisionen muss die PKV sparen. Es ist allerdings ein Armutszeugnis, das sie dafür den Staat und die gesetzliche Hilfe der Regierung in Anspruch nehmen muss. Sie könnten der PKV beim Sparen helfen, so Welt Online. Immerhin wird derzeit über eine neue Gebührenordnung von beiden Seiten verhandelt. Wie weit sind diese gediehen? Montgomery gibt daraufhin zur Antwort, dass es sich hierbei um ein hochkomplexes Thema handelt. Derzeit wird mit einer Gebührenordnung gerechnet, die auf einer gemeinsamen Kalkulationsbasis aufgebaut werden kann. Sicher ist jedenfalls, dass keine neue Gebührenordnung in dieser Wahlperiode in Kraft treten wird. Ein gemeinsamer Entwurf soll noch in diesem Jahr präsentiert werden. Es soll ein Entwurf sein, der die Akzeptanz jeder Regierung finden soll und keine mehr an ihm vorbeikommt. Die Frage von Welt Online ist, ob die Versicherungen direkt mit Ärzten über deren Preise verhandeln sollen und damit von der Gebührenordnung abweichen, damit sie Geld sparen können? Montgomery entgegnet, dass es in der neuen Gebührenordnung für Zahnärzte keine Öffnungsklausel gibt und diese auch definitiv nicht gebraucht wird.

 
Welt Online fragt, ob er es als einen Konflikt ansehen würde, dass einerseits für die PKV, wie auch für andere Unternehmen, die Marktgesetze gelten, die PKV aber eine soziale Verantwortung als Krankenversicherer habe. Bislang können sich schwer kranke Menschen faktisch nicht privat versichern und auch schwangere Frauen haben bei der privaten Versicherung keine Chance. Montgomery hält es für problematisch, dass oft hohe Risikozuschläge auf die Beiträge für kranke Menschen dazukommen, wenn sie sich bei einer privaten Krankenversicherung versichern wollen. Über die Thematik, inwieweit solche Risikozuschläge zu vertreten sind, müsse man reden. Eine Frau während ihrer Schwangerschaft als Kundin abzulehnen entspricht nicht dem Geschäftsmodell der PKV. Es ist auch nicht das Geschäftsmodell der PKV, wenn sie diese Frau erst dann als Kundin nimmt, wenn das Kind gesund geboren ist. Es gäbe keinen Grund dafür, dass so gehandelt wird. Es müsste auch für die PKV einen Kontrahierungszwang geben. Über die Thematik, wie die PKV mit ihrer sozialen Verantwortung umgeht und dieser gerecht wird, muss sie sich Gedanken machen.

 

Welt Online fragt nach, ob die Branche ihre Reformen selbst in den Griff bekommt

 
Hier ist Montgomery sehr zuversichtlich, denn er würde mit vielen Managern der PKVs Gespräche führen und er denke, dass die Branche es alleine schafft. Natürlich gibt es auch bei den PKVs Unternehmen, die mit allen Mitteln ums Überleben kämpfen. Hilfreich wäre hier eine ordnende Hand, z. B. vom PKV-Verband, auch wenn er nur unterstützend und beratend Einfluss nehmen kann. Derzeit muss die PKV etwas tun, denn einerseits wird die Luft für sie immer dünner. Es müssen Reformen gemacht werden, damit das Geschäftsmodell PKV nicht infrage gestellt werden kann.

Warum der Schritt von Kindern in die PKV sehr gut überlegt sein sollte

Geht es um die Krankenversicherung, sollten Verbraucher genau überlegen, welche Vor- und Nachteile mit einem Wechsel verbunden sind. Vor allem im Bezug auf Kinder – auch wenn diese noch nicht vorhanden sind – sollten einige Dinge berücksichtigt werden.

Wenn beide Elternteile in der privaten Krankenversicherung, kurz PKV, versichert sind, dann muss für die Kinder ebenfalls ein Vertrag in der PKV geschlossen werden. Eine Familienmitversicherung, wie es in der gesetzlichen Krankenversicherung, kurz GKV, möglich ist, gibt es in der Privaten nicht. Alternativ dazu könnte ein Kind aber auch freiwillig in der GKV versichert werden.

Ist aber nur ein Elternteil privat versichert und der andere gesetzlich, dann haben die Eltern in bestimmtem Umfang die Wahl, wie sie ihren Nachwuchs krankenversichert. So kann das Kind nur dann in der GKV familienversichert werden, wenn der GKV-versicherte Elternteil weniger verdient als der Elternteil, der in der PKV versichert ist. Ausnahmen sind bei unverheirateten Elternteilen gegeben.

Zudem ist es immer wichtig, die vielen verschiedenen Angebote der privaten Krankenversicherer miteinander zu vergleichen. In der PKV bekommen Kinder generell niemals höhere Gesundheitsleistungen zu besseren Konditionen als die Eltern selbst. Somit bekommen Kinder in der PKV nur dann die besten Leistungen, wenn auch die Eltern selbst bestens krankenversichert sind. Die Konditionen der Versicherung für Kinder sind sehr unterschiedlich und so ist es wie bei vielen anderen Dingen, z.B. dem Handyvertrag oder bei der Suche nach einem Broker für das Forex Trading: immer erst vergleichen und dann erst für eine bestimmte Gesellschaft entscheiden.

Zahlreiche private Krankenversicherer locken mit einem Bild von jungen und dynamischen Menschen, Sneakers an den Füßen, vor Energie strotzend. Es wird der Anschein erweckt, mit einer PKV kann man ohnehin nicht krank werden. Die Realität sieht natürlich ganz anders aus und so sollte man sich niemals von werbenden Bildern beeinflussen lassen, sondern knallhart die Fakten miteinander vergleichen.

Auch die PKVs müssen schlanker werden

Die Beiträge für die gesetzlichen und privaten Krankenversicherung kennen derzeit nur eine einzige Richtig – nach oben. Jedes Jahr stellt sich die Frage, um wie viel Euro diesmal. Die Bundesregierung und speziell der neue Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr von der FDP kann diesen Trend nicht mehr gutheißen. Er hat die privaten Krankenversicherung aufgefordert die Beiträge zu stabilisieren und das Problem endlich in den Griff zu bekommen. Die Beitragssteigerungen betreffen meist ältere Menschen, die in den PKVs Mitglied sind.

Bei den gesetzlichen Krankenkassen schimpft der Bundesgesundheitsminister nicht über zu hohe Beiträge und zu wenig Leistung. Für die hohen Beiträge ist er bzw. sein Vorgänge verantwortlich und für die immer weniger werdenden Leistungen ebenfalls.

Die Rüge vom Bundesgesundheitsminister kommt zu spät, denn die private Krankenversicherung machen sich schon seit geraumer Zeit Gedanken darüber, wie sie ihre älteren Mitglieder vor Beitragsexplosionen schützen können.

Zum einen wäre da die Idee, dass der Versicherte bereits in jungen Jahren zum Beitrag einen bestimmten Betrag in die Versicherung einzahlt, der von der Versicherung zinsbringend angelegt wird. Mit dem Volumen, das bis zum Alter angespart worden ist, können die Beiträge reduziert werden. Die Höhe der Reduzierung ist jedoch vom Tarif abhängig. Die Idee ist gut – doch leider kein Allheimmittel. Die Finanzsorgen bleiben leider bestehen.